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Island, Reisen + Erinnerungen

Einmaliges Island-Erlebnis: Reiten auf Islandpferden

Mit den berühmten Pferden über Stock und Stein

Dass das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde liegt, ist ja nichts Neues mehr. Unbedingt dazusagen sollte man aber, dass damit höchstwahrscheinlich Islandpferde gemeint sind. Die sind nämlich so geduldig und gemütlich, dass sie auch absolute Anfänger geeignet sind.

Das ist wohl auch der Grund, warum sie in ganz Europa als Reitpferde sehr beliebt sind. Das Traurige daran: Wenn ein Islandpferd die Insel verlässt, ist es ein Abschied für immer. Um zu vermeiden, dass Krankheiten die einzigartige Pferderasse gefährden, darf kein Pferd nach Island zurückkehren, wenn es seine Heimat einmal verlassen hat.

Skagafjörður, das Zentrum der Pferdezucht

Wir sind mittlerweile im Skagafjörður, dem „Tal der Pferde“ angelangt. Dieses Gebiet im Nordwesten Islands heißt nicht umsonst so: Unzählige Islandpferde – nenn sie bloß nicht „Islandsponys“ 😉 – weiden hier auf den Wiesen und genießen den Sommer. Während die Reitpferde in den warmen Monaten gemütlich auf Koppeln grasen, dann und wann zum Einsatz kommen und den Winter in ihren Ställen verbringen, sind Arbeitspferde und ganze Herden das gesamte Jahr über im Freien.

Sie halten wirklich ganz schön viel aus: Nicht einmal eisige Temperaturen, Wind und Niederschlag können die ausgeglichenen Tiere aus der Ruhe bringen. Sie sind halt auch ideal an die Umgebung angepasst: eher klein und stämmig, im Winter mit dickem Zottelfell, robust und unbeeindruckt, wenn es Hindernisse zu bewältigen gilt.

Auch für Anfänger perfekt: Ausritte auf Islandpferden

Bei so viel Gelassenheit werden sie wohl auch uns gut (er-)tragen, denken Monsieur und ich und fahren zum Gestüt und Reiterhof Lýttingsstaðir etwa zwanzig Kilometer südlich von Varmahlið. Hier treffen wir auf Blíki und Vynur, auf denen wir die nächsten zwei Stunden verbringen werden, zwei weitere reitende Reisende sowie Bibi, die hier in Island den Sommer über als Reitlehrerin jobbt, bevor sie im Herbst ihr Studium daheim in Deutschland startet.

Auf geht’s zum zweistündigen Ausritt

Gemütlich trotten wir einen Schotterweg entlang und genießten die Sonnenstrahlen. Denn sonst gibt’s nicht wirklich viel zu tun: Sobald Bibi auf ihrem Pferd stehenbleibt, tun das die anderen ganz automatisch. Die Herde und ihr Zusammenhalt geht den Tieren halt über alles. Einzig Vynur bildet da manchmal eine Ausnahme, für den hat frisches Gras noch ein bisschen höhere Priorität.

Mit dem langsamen Spazieren im Schritt ist bald Schluss, wir wechseln in den Tölt, jene Gangart, für die die Islandpferde berühmt sind. Das Tempo ist in etwa gleich wie beim Traben, der Reiter wird aber nicht so durchgeschüttelt, weil die Schrittfolge eine andere ist. Kaum eine andere Pferderasse beherrscht diese Gangart noch, die ursprünglichen Islandpferde haben sie sich beibehalten.

Als es dann für uns Reiter „Beine hoch!“ heißt, weil wir einen Fluss durchqueren, bin ich etwas baff: Die ausgeglichenen Pferde waten durchs Wasser, ohne mit ihren langen Wimpern zu zucken, obwohl ihre Bäuche teilweise das kalte Flusswasser streifen. Das liegt übrigens nicht an der Figur der Pferde, sondern an der Tiefe des Flussbetts, das möchte ich zu ihrer Verteidigung schon festhalten. Ohne zu zicken überwinden sie auch steile Böschungen und gehen über wackelige Steine – immer dem Vorderpferd nach.

Als wir am Ende unseres zweistündigen Ausritts auch noch galoppieren, steht für mich eines fest: Wenn ich noch einmal in die Volksschule komme und einen Aufsatz über mein schönstes Ferienerlebnis schreiben soll, geht’s um Blíki, Vynur und die Zeit im Skagafjörður.

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